Wir brauchen 50 mal Birkenwerder, um unserer Treibhausgase im Wald aufzunehmen

Birkenwerder besteht zu mehr als 50% aus Wald. Bäume binden Kohlendioxid und wandeln es in Holz um. Ist das Problem Klimawandel damit gelöst?

Wieviel Kohlendioxid bindet ein Baum?

Wie alle Lebewesen sind auch Bäume ziemlich unterschiedlich. Nehmen wir einen durchschnittlichen Baum: Buche, 23 m hoch, 30 cm Durchmesser, Standort im Wald. So ein Baum besteht neben Wasser aus etwa 600 kg Trockenmasse (Blätter, Wurzeln, Stamm, Äste). Darin lässt sich ungefähr eine Tonne Kohlendioxid binden. Das dauert etwa 80 Jahre Baum-Lebenszeit, also werden 12,5 kg im Jahr gebunden. (Quelle: Wald-Zentrum der Universität Münster)

Warum lässt sich mehr Treibhausgas binden als der Baum wiegt?

Kohlendioxid besteht aus einem Kohlenstoff- und zwei Sauerstoffatomen. Die Sauerstoffatome machen den größeren Gewichtsanteil aus, werden aber nicht mit im Holz gebunden sondern landen in der Atmosphäre.

Was passiert wenn der Baum stirbt?

Es gibt verschiedene Varianten.

  • Der Baum stirbt natürlich, bleibt im Wald und verrottet langsam. Beim Verrottungsvorgang wird das meiste Kohlendioxid wieder in die Luft abgegeben, was den Klimaschutzeffekt zunichte macht. Ein kleiner Anteil bleibt vor Ort im Humus und wird dauerhaft der Atmosphäre entzogen. Wieviel das ist lässt sich nur schwer sagen, siehe unten.
  • Der Baum wird gefällt und das Holz verbrannt. Alles Kohlendioxid wird wieder freigesetzt, kein Klimaschutzeffekt, aber zumindest wird Erdöl oder Erdgas ersetzt. Äste, Laub, Wurzeln werden normalerweise nicht mitverbrannt und bleiben im Wald und bilden Humus.
  • Der Baum wird gefällt und etwas daraus gebaut, Möbel, Häuser oder Papier. Kein Kohlendioxid wird freigesetzt, es bleibt gebunden. Ob langfristig ein Klimaschutzeffekt eintritt hängt davon ab, was bei Entsorgung des Gegenstands passiert (Verrottung auf der Mülldeponie? Verbrennung?).

Wieviel Treibhausgas bleibt dauerhaft gebunden?

Nur durch Bildung von zusätzlichem Dauerhumus entsteht ein langfristig wirksamer Klimaschutzeffekt. Alles Andere verzögert die Kohlendioxidmenge nur, aber sie landet irgendwann wieder in der Luft. Wälder sind damit überwiegend ein Zwischenlager für Kohlendioxid, kein Endlager.

Forscher haben verschiedentlich versucht, herauszufinden, wieviel Dauerhumus entsteht. Dauerhumusbildung dauert Jahrhunderte bis Jahrtausende, daher gibt es keine belastbaren Ergebnisse. Es sind sich aber alle zumindest darin einig: Der Effekt ist eher klein.

Ein veröffentlichter Wert ist: 3,8% des in Bäumen gebundenen Kohlendioxids bleiben dauerhaft im Boden. (Quelle: S. LUYSSAERT ET AL. GLOB. CHANGE BIOL. 16, 1429–1450, 2010) Für unsere Muster-Buche sind das 475 Gramm Kohlendioxid pro Jahr.

Wieviele Bäume müsste Birkenwerder pflanzen?

Bild: Freddykrueger / Danny S.

Birkenwerder emittiert 42.260.000 kg Kohlendioxid im Jahr (Quelle: Klimaschutzkonzept der Gemeinde Birkenwerder). Um diese Menge nicht nur kurzfristig sondern dauerhaft im Waldboden zu speichern benötigt Birkenwerder 88.968.000 Bäume. Bei üblichen etwa 100.000 Bäumen pro Quadratkilometer müssten also 889,68 Quadratkilometer Gemeindefläche mit Buchen bepflanzt sein, um das Treibhausgasproblem Birkenwerders dauerhaft zu lösen. Leider ist Birkenwerder nur 18,12 Quadratkilometer groß.

Fazit

Holzhaus „H8“ in Bad Aibling. Foto: CC-BY Y. Hilinci

Die 10 Quadratkilometer Wald Birkenwerders binden 1,1% der Treibhausgasemissionen des Ortes.

Der größte Nutzen des Waldes für den Klimaschutz lässt sich erzielen, indem die Bäume lange stehen gelassen und erst zum passenden Zeitpunkt geerntet und nachgepflanzt werden und der Werkstoff Holz genutzt wird, um damit andere Werkstoffe zu ersetzen. Holz statt Beton oder Stahl ersetzt Baustoffe mit großen Emissionen durch einen Werkstoff mit praktisch neutraler Bilanz.

Bäume sind nicht nur klimaschützend, sondern auch für viele andere Dinge wichtig. Und natürlich sind Bäume einfach schön. Klimaschutzmanager Martin Thiele, zuständig für den Landkreis Havelland, hat sich intensiv mit dem Wert von Bäumen befasst und sagt zum Thema:

„Es wäre falsch Bäume zu fällen, nicht nur aus Gründen der Kohlenstoffspeicherung, sondern unter anderem auch weil Sie sowohl einen intrinsischen als auch soziokulturellen Wert besitzen, einen vielfältigen Lebensraum darstellen und die Sie umgebende Temperatur aktiv regulieren. Wenn man diese Faktoren jedoch aus der Gleichung nimmt und lediglich das Kohlenstoffbindungspotenzial einen Baumes betrachtet, so macht es Sinn insbesondere ältere Bäume aufgrund sinkender Kohlenstoffbindungspotenziale und  Bäumen mit hoher Anfälligkeit für Schäden durch den Klimawandel, wie z.B. Hitze- und Wasserstress, durch junge und klimaangepasste Bäume zu ersetzen.“

Wenn trotzdem Bäume gefällt werden, kommt es aus reiner Klimaschutz-Sichtweise darauf an, dass nachgepflanzt wird und das entstehende Holz sinnvoll genutzt wird. Bauen Sie sich ein Holzhaus!