Forschungsverbundprojekt KWPconnect zur klimaneutralen Entwicklung des Strom- und Wärmesektors in Birkenwerder und Hohen Neuendorf gestartet
26.11.2025

Vorne von links nach rechts: Sonja Witkowski (Fraunhofer UMSICHT), Heiderose Ernst (Hohen Neuendorf), Sarah Olischläger (Birkenwerder), Petra Teigel (Hohen Neuendorf), Ilka Cußmann (Reiner Lemoine Institut); hinten von links nach rechts: Stephan Zimniok (Bürgermeister Birkenwerder), Carsten Beier (Fraunhofer UMSICHT), Jonas Danke (Reiner Lemoine Institut), Hans Michael Oleck (Hohen Neuendorf), Dr. Jens Horn (EMB Energie Brandenburg), Kai Hohnhold (GASAG), Steffen Apelt (Bürgermeister Hohen Neuendorf)
Wie kann unser Energiesystem für Wärme und Strom in Zukunft funktionieren? Wie können sich die Brandenburger Kommunen Birkenwerder und Hohen Neuendorf klimaneutral mit Wärme versorgen und dafür erneuerbare Energien nutzen? Welche Auswirkungen haben diese auf das Stromnetz? Welche Maßnahmen sind dafür notwendig? Wie kann dieser Prozess effizient und kostengünstig realisiert werden?
An diesen und weiteren Fragen forschen Wissenschaftler:innen im Projekt KWPconnect ergänzend zur kommunalen Wärmeplanung, das jetzt gestartet ist.
In Hohen Neuendorf und Birkenwerder untersucht das Projektteam, bestehend aus Expert:innen vom Reiner Lemoine Institut (RLI), dem Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT und dem Energieversorgungsunternehmen EMB Energie Brandenburg, wie eine erfolgreiche Transformation der Wärmeversorgung gelingen kann.
Das heißt, dass man sich unterschiedliche Quartierslösungen anschaut, wie zum Beispiel Energiegemeinschaften oder Nahwärmekonzepte. Hier wird dann untersucht, wie sich diese auf das gesamte Energiesystem auswirken und welche Rolle in diesem Kontext das bestehende Gasnetz zukünftig einnehmen kann. Im Projekt arbeiten dafür Energieversorger, Verwaltungen und Forschende direkt zusammen und nutzen Erkenntnisse aus Workshops mit Bürgerinnen und Bürgern sowie weiteren lokalen Akteuren, um von der kommunalen Wärmeplanung in die Umsetzung auf der Quartiersebene zu kommen.
In der ersten Informationsveranstaltung, voraussichtlich im April 2026, wird das Projekt der
Kommunalpolitik und den Bürgerinnen und Bürgern vorgestellt, damit diese die Möglichkeit haben, sich aktiv einzubringen.
Die Fördermittel für das Projekt KWPconnect wurden beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen des Förderaufrufs „Vom Plan zur Wende“ des 8. Energieforschungsprogramms beantragt mit dem Untertitel:
„Kommunale Wärmeplanung trifft Energiesystemanalyse: Innovative und integrale Ansätze zur effizienten Transformation des Strom- und Wärmesektors unter Einbindung lokaler Akteursperspektiven“
Es wird im Zeitraum Oktober 2025 bis September 2027 mit insgesamt rund 1,38 Millionen Euro gefördert. Die Leitung des Konsortiums wird von der Stadt Hohen Neuendorf übernommen, die gemeinsam mit Birkenwerder die Praxispartner darstellen.
Das im Projekt gewonnene Wissen soll weit über den Projektstandort hinaus Wirkung entfalten. Die Erkenntnisse werden nicht nur vor Ort genutzt, sondern mit anderen Kommunen und politischen Entscheidungsträger:innen geteilt. So arbeitet das Projektteam direkt an der zukunfsfähigen Weiterentwicklung des Instruments der Kommunalen Wärmeplanung. Damit möglichst viele von den Ergebnissen des Projekts profitieren, sind verschiedene Maßnahmen für den Wissenstransfer geplant – darunter praxisorientierte Workshops und die Teilnahme an Fachkonferenzen. So wird sichergestellt, dass die gewonnenen Erkenntnisse bekannt werden und in die Umsetzung weiterer Projekte integriert werden können.
Hier das, was die Projektpartner zum Start des Projekts sagen:
Stephan Zimniok, Bürgermeister von Birkenwerder: „Ich habe große Hoffnungen in das Projekt, dass hier die bislang im Abseits stehende Thematik über die Auswirkungen der Kommunalen Wärmeplanung auf die Stromnetze beleuchtet und
geklärt wird. Ich würde mich freuen, wenn damit auch Ängste der Bürgerinnen und Bürger gedämpft oder zumindest aufgeklärt werden könnten. Alles in allem bin ich voller Vorfreude und stolz darauf, dass die Gemeinde Birkenwerder Gelegenheit erhält, an einem so groß
angelegten Projekt mitzuarbeiten.“
Der Bürgermeister von Hohen Neuendorf, Steffen Apelt: „Wir freuen uns sehr über den positiven Förderbescheid! Mit der kompetenten Unterstützung der Forschungspartner, können wir konkrete Antworten zu ganz realen und komplexen Herausforderungen für die Bürgerinnen und Bürger sowie die Gewerbetreibenden in der
Stadt aufzeigen. Die Forschenden beschäftigen sich in den nächsten zwei Jahren mit den Themen: Wie können wir zukünftig in Hohen Neuendorf heizen? Welche Kosten müssen wir vermutlich dafür einkalkulieren? Welche Infrastrukturen und Technologien können die
Versorgungssicherheit sicherstellen. Ich bin sehr gespannt auf den Diskussionsprozess und die Ergebnisse.“
Dr. Jens Horn, Geschäftsführer EMB Energie Brandenburg: „Das Forschungsprojekt KWPconnect bietet uns eine zweifache Chance. Einerseits gewinnen wir als Eigentümer beziehungsweise Miteigentümer des Gasnetzes in Hohen
Neuendorf, Birkenwerder und über 150 weiteren Konzessionskommunen Erkenntnisse über mögliche Nutzungen nach 2045. Andererseits hilft es uns als Energielieferant und Grundversorger, um für unsere Kundinnen und Kunden realistische und finanzierbare Angebote für die persönliche Gestaltung der Energie- und Wärmewende entwickeln zu können.“
Sonja Witkowski, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Fraunhofer UMSICHT:
„Wir befinden uns hier in einem Kommunikationsprojekt. Wir möchten die mathematischen Modelle der Forschungsinstitute gezielt einsetzen, sodass wir einen Mehrwert für die Akteure vor Ort schaffen. Und das geht nur über einen konstanten Austausch und
Feedbackprozess mit und in den Kommunen.“
Ilka Cußmann, Leiterin Forschungsbereich Transformation von Energiesystemen am Reiner Lemoine Institut: „Kommunen und die Akteure vor Ort spielen eine Schlüsselrolle für die Energiewende. Mit dem Forschungsprojekt KWPconnect möchten wir sie in die Lage versetzen, die Wechselwirkungen zwischen Wärmeplanung und dem restlichen Energiesystem sichtbar zu machen und fundierte Entscheidungen zur Umsetzung der Wärmewende zu treffen.“
Warum das alles? – Wärmeversorgung mit erneuerbaren Energien
Bis 2045 müssen Städte und Gemeinden ihre Wärmeversorgung klimaneutral planen. Das bedeutet, dass die zum Heizen benötigte Energie so erzeugt wird, dass keine Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen. So sieht es das Wärmeplanungsgesetz für alle Kommunen in
Deutschland vor. Während die Kommunale Wärmeplanung Wege zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung zeigt, wurden die Auswirkungen auf das Stromnetz durch die Transformation im Wärmebereich bislang wenig untersucht. Doch durch zunehmende Elektrifizierung von Wärme und Mobilität sowie den Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung steigen die Anforderungen an die Stromnetze. Das neue Projekt soll helfen, damit Überlastungen und ein wachsender Netzausbaubedarf nicht zum Flaschenhals der Energiewende werden.
Infos zu den Projektpartnern:
Das Reiner Lemoine Institut (RLI) ist ein unabhängiges, gemeinnütziges Forschungsinstitut, das sich seit 2010 für eine Zukunft mit 100 Prozent erneuerbaren Energien einsetzt. In den drei Forschungsbereichen Transformation von Energiesystemen, Mobilität mit erneuerbaren Energien und Off-Grid Systems arbeiten die Wissenschaftler*innen des RLI anwendungsorientiert und wissenschaftlich für die Energie- und Verkehrswende in Deutschland und international. Seit der Gründung haben sich die am Institut entwickelten Open-Source-Modelle fest in der Energiesystemmodellierung etabliert. Die Mobilitäts- und Elektrifizierungskonzepte des RLI werden von Unternehmen und der öffentlichen Hand weltweit umgesetzt. www.reiner-lemoine-institut.de
Das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen unterstützt Industrie und Gesellschaft beim Transfer in ein klimaneutrales und zirkuläres Wirtschaftssystem. Unsere Forschung fokussiert auf Circular Economy, Green Hydrogen, Carbon Management und Local Energy Systems. Im Rahmen des Projekts wird Fraunhofer UMSICHT seine Expertise in der integralen Quartiersplanung sowie der modellbasierten Optimierung lokaler Energiesysteme einbringen. Der Schwerpunkt der Arbeiten liegt im
Zusammenspiel von Energieversorgung und Energienutzung sowie in der wirtschaftlich-technischen Systemintegration unter Einbindung vielfältiger Akteursperspektiven. www.umsicht.fraunhofer.de/
Gas, Strom, Energielösungen – die EMB Energie Brandenburg GmbH ist Energiepartner für rund 150.000 Privat-, Gewerbe- und Industriekunden. Seit Juli 2025 tritt sie unter einer neuen Marke auf: Energie Brandenburg. Die neue Marke signalisiert: Energie Brandenburg will die Energie- und Wärmewende im ganzen Land Brandenburg voranbringen. Mit reinen Energieprodukten genauso wie mit Energielösungen für alle Größenordnungen von Privatkunden über Industriebetriebe bis hin zu Nahwärmenetzen, die aus erneuerbaren
Energiequellen gespeist werden. Zudem ist das Unternehmen auch selbst in der Erzeugung von erneuerbaren Energien durch Windkraft- und Photovoltaikanlagen tätig. Mehr Informationen: www.energie-brandenburg.de
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